Die SP Rheinau organisierte für den 4. Juli ein
öffentliches Hearing im MZG Rheinau zum Atomendlager im Zürcher Weinland.
Etwa 100 Besucher nahmen sich die Zeit, sich über den Stand der Dinge um
das geplante Endlager für hochradioaktive Abfälle zu informieren. Das
Kernpodium, bestehend aus Vertreter/innen vom BFE, NAGRA, National- und
Ständerat sowie von Bedenken sass auf Barhockern an kleinen runden
Tischchen. in der Mitte des Saales. Links und rechts davon, das erweiterte
Podium aus Vertreter/innen der Gemeinden, der Parteien und vom deutschen
B.U.N.D. Die Besucher sassen im Halbkreis ums Podium herum. Mit Ellinor von
Kauffungen hatten die Veranstalter eine souveräne Moderatorin gefunden,
welche die Gesprächsrunde straff und mit strengen Zeitlimiten führte. Mit
eigenen, provozierenden Fragen gab Sie der Diskussion immer wieder eine neue
Richtung.
Pünktlich konnte die Veranstaltung beginnen. In einem
kurzen Referat stellten sich die Redner/innen vor und sagten was sie für
wichtig hielten. Auffallend war, wie niemand die Kernenergie durch dick und
dünn verteidigte. Die Vertreter der NAGRA, des Bundes sowie Ständerat Hans
Hofmann wurden nicht müde, zu betonen, dass unabhängig von der Frage ja
oder nein zur Kernenergie, das Problem Endlagerung gelöst werden muss. Von
allen wurde immer wieder betont, dass die Errichtung eines Endlagers ohne
die Einwilligung der betroffenen Bevölkerung nicht möglich ist. Trotz
vielen Gemeinsamkeiten war ein grosses Misstrauen zu spüren. Durch
Beschneiden der Volksrechte, wie sie der Ständerat beschlossen hat und
reinen PR-Aktionen von Seiten der NAGRA "Die Schweiz hat radioaktive
Abfälle. Wir kümmern und darum. NAGRA wer sonst?" kann das
Misstrauen nicht abgebaut werden. Zahlreich waren auch die Besucher aus
Deutschland. Dort sind Bevölkerung und Gemeinden, vielleicht wegen der
Ereignisse um Gorleben, mehr sensibilisiert, als hier im Weinland.
Eines wurde an diesem Abend klar, solange der Ausstieg aus
der Kernenergie auf politischer Ebene nicht beschlossene Sache ist, wird ein
Atomendlager im Weinland und anderswo auf heftigen Widerstand stossen.
Abschliessend an das Gespräch bedankte sich Rolf Eigenheer
von der SP Rheinau, bei Ellinor von Kauffungen und bei den Teilnehmern und
Teilnehmerinnen am Podium. Er überreichte ihnen einen Biowein aus der
Region. Ebenfalls bedankte er sich bei der EVP des Bezirks, welche einen
finanziellen Beitrag an die Veranstaltung leistete.
Beat Wieland,(BFE) Bundesamt für Energie, zuständig
für Kernenergie:
-
Ende Jahr wird die NAGRA den Machbarkeitsnachweis für
ein Endlager für hochaktive Abfälle aufgrund der Unterlagen aus den
Untersuchungen im Zürcher Weinland dem Bund abgeben.
-
Im Verfahrensrecht bei Einsprachen sind deutsche
Staatsbürger den Schweizern gleichgestellt.
-
Der Nachweis für eine sichere Lagerung ist auch
erbracht, wenn eine Lagermöglichkeit im Ausland besteht. Die Abfälle
dürfen nicht in einer Bananenrepublik gelagert werden.
-
Mit den Gesamtkosten für die Endlagerung von
radioaktiven Abfällen rechnet man heute mit 13 Mia. Franken. Im
dafür vorgesehenen Entsorgungsfonds sind heute 1,4 Mia. einbezahlt.
Markus Fritschi, (NAGRA) Nationale Genossenschaft zur
Lagerung der radioaktiven Abfälle:
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Die NAGRA ist ein Kompetenzzentrum für geologische
Abklärungen für ein Endlager.
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Die Schweiz ist geologisch kleinräumig. Ein
internationales Endlager im Weinland ist schlicht nicht möglich.
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Ein Endlager kann nicht gegen den starken Widerstand
einer betroffenen Bevölkerung gebaut werden.
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Wenn eine Gemeinde zu einem Endlager ja sagt, ist auch
die Frage nach dem Nutzen (finanzielle Entschädigung) legitim.
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Wir reden heute nicht mehr von einem Endlager, sondern
von einem Tiefenlager.
-
Die Kontrollierbarkeit und Rückholbarkeit mit der
Möglichkeit einer Verschliessung, das heisst, einer Überführung in
ein Endlager, sind heute Bestandteil unseres Endlagerkonzepts.
Fredy Breitschmid, Geologe
Es bestehen noch viele offene Fragen zu der Lagerkonzeption
der NAGRA und des Bundes. Ich finde die neue Lagerkonzeption für
interessant, aber, sie ist unter Wissenschaftlern keineswegs breit
diskutiert worden.
Hans Hofmann, SVP Ständerat, (UREK) ständerätliche
Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie:
Niemand hat gern ein Endlager vor der eigenen Türe. Wenn
sowohl auf Ebene von Gemeinde, Kanton und Bund ein Bewilligungsverfahren
nötig ist, kann ein Endlager nie verwirklicht werden. Der Bau eines
Endlagers soll ausschliesslich Bundessache sein. So braucht es nur einmal
eine Bewilligung und nicht drei mal. Die Einsprachemöglichkeiten sind
trotzdem gegeben, aber eben nicht drei mal zur gleichen Sache.
Barbara Marty Kälin, SP Nationalrätin, (UREK) nationalrätliche
Kommission für Umwelt, Raumplanung und Energie:
Ich habe mich im Nationalrat bis jetzt vergeblich, dafür
engagiert, dass die Rahmenbewilligung zwar Bundessache ist, dass aber diese
Bewilligung von der Zustimmung des Standortkantons abhängig gemacht wird.
Dies nicht zuletzt um Kosten zu sparen wie sie zum Beispiel mit dem
geplanten AKW Kaiseraugst entstanden waren. Solange der Ausstieg aus der
Kernenergie politisch nicht beschlossen ist, bleibt ein Misstrauen. Wenn die
Endlagerfrage gelöst ist, könnte man munter weiter Atomstrom produzieren.
J.J. Fasnacht, Bedenken Benken
Ohne Mitsprache der hiesigen Bevölkerung wird es kein
Endlager im Weinland geben.
Walter Schäppi, IGEL, Andelfingen
Ich habe an der Forschung über die Folgen der Katastrophe
von Tschernobyl mitgearbeitet. Aus dieser Tätigkeit und meiner Arbeit als
Mediziner weiss ich, dass Wissenschaftlichkeit und Zuverlässigkeit einen
grossen Zeitfaktor haben. Was ich vor 23 Jahren als Mediziner gelernt habe,
gilt heute zum Teil als Kunstfehler. Bei der Endlagerkonzeption ist es nicht
anders. Wir müssen da unbedingt an der Quelle, das heisst bei den AKWs
aufhören.
Axel Mayer, (B.U.N.D.) Bund für Umwelt, Naturschutz
Deutschlands
Die Schweiz hat alle ihre Atomanlagen in Grenznähe zu
Baden-Württemberg errichtet. Wenn es keine nationalen Grenzen gäbe, würde
kein Mensch im Zürcher Weinland ein atomares Endlager bauen. In Deutschland
gibt es Opalinustonschichten von einer Dicke von 1000 m. Ein Endlager kann
nur international gesucht werden.
Seit etwa 20 Jahren, das heisst seit Kaiseraugst und Wyl
gibt es die Akzeptanzforschung. Dabei geht’s darum: Wie kann man der
Bevölkerung gefährliche Objekte aufs Auge drücken ohne dass sie sich
wehrt. Die NAGRA nutzt die Salamitaktik perfekt aus. Wann werden
Umweltschutzorganisation aktiv? Immer wenn wichtige Entscheidungen anstehen.
Deswegen ist man bemüht, keine wichtige Entscheidungen zu treffen. Das ist
ein grosses Problem für die Demokratie.
Alfons Brohammer,(SPD) Bürgermeister Jestetten (D)
Wir wenden uns mit Nachdruck gegen den Bau eines Endlagers.
Unsere Region ist zu dicht besiedelt. Wir beziehen unser Trinkwasser aus
einem Tiefenbrunnen auf der Halbinsel Schwaben in unmittelbarer Nähe zu
Benken. Beim Betrieb des Endlagers wären auch Atommülltransporte durch
unsere Gemeinde nicht ausgeschlossen.
Gerhard Gsponer,(FDP) Gemeindepräsident Rheinau
Wir haben im Gemeinderat eingehend über das Thema Endlager
diskutiert. Zusammenfassend kann ich sagen: Wir wünschen uns kein Endlager
direkt vor unserer Türe. Finanzielle Überlegungen dürfen bei der
Entscheidungsfindung keine Rolle spielen. Wir verhandeln nicht über
Sicherheit. Die Sicherheit hat höchste Priorität. Wenn ein Endlager im
internationalen Expertendiskurs als wirklich sicher gilt, so könnte das
Weinland ein möglicher Standort werden.
Bruno Bosshard, Ex Gemeindepräsident Benken
Der Gemeinderat von Benken hatte damals den Sondierbohrungen
auf Benkemer Gebiet zugestimmt. Dies aus der Erkenntnis heraus, dass wir die
Verantwortung für eine richtige Entsorgung tragen.
Heute spüre ich ein nicht ausgesprochenes Misstrauen von
Seiten der Bevölkerung gegenüber den Experten. Um Misstrauen abbauen zu
können, ist kein Verfahren das zur Entscheidungsfindung beiträgt, zu
kompliziert.
Bei einer Entscheidung von dieser Tragweite muss das Volk
unbedingt mitbestimmen können.
Romano Hofmann, (JFDP), Junge FDP, Zürich
Ich habe mir zum Endlager noch keine Meinung gemacht. Ich
bin zu meiner Information da. Wir, die Bevölkerung kann eigentlich nicht
beurteilen, was bei einem Endlager zu berücksichtigen ist. Wir müssen den
Experten vertrauen. Das Schwarzpeterspiel darf keine Rolle spielen.
Roly Brunner, (SP), Dachsen
In der Schweiz wird über jedes Bushäuschen abgestimmt. Ich
verstehe nicht, warum eine Mitsprache bei einer so wichtigen Entscheidung
wie sie ein Endlager darstellt, nicht mitreden darf.
Die Haltung der SP zu einem Endlager ist klar. Seit den 80er
Jahren ist die Atomkraft umstritten. Schon damals hätte man den Ausstieg
beschliessen können. Man hatte sich um eine Entscheidung gedrückt. Das
Moratorium wurde beschlossen. Die NAGRA wurde beauftragt, einen geeigneten
Standort für ein Endlager zu finden. Solange der Ausstieg nicht beschlossen
ist, kann man nicht über ein Endlager reden.
Alfred Weidmann, (GP), Uhwiesen
Die Mitsprache des Volkes in dieser Frage ist sehr wichtig.
Die Vergangenheit hat gezeigt, Abstimmungen führen immer wieder zu breiten
Diskussionen. Nur so, und wenn mehrere Anläufe nötig sind, kann eine
tragbare Lösung gefunden werden.
Ein gewisses Misstrauen gegenüber den Experten ist
berechtigt. Immer wieder geschehen Dinge, ich denke da zum Beispiel an
Flugzeugkatastrophen, die nach Expertenmeinung eigentlich nicht passieren
können.
Wir leben heute in der Agglomeration Zürich, eine
Industrieanlage, was ein Atomendlager einmal sein wird, gehört nicht in ein
so dicht besiedeltes Gebiet.