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Bildung?
Bildung!
Bildung ist bekanntlich der wichtigste Rohstoff, den unser Land zu bieten hat - da sind
sich alle Einig. An der Frage, was "Bildung"ist, daran scheiden sich die
Geister. Im einen Lager sind diejenigen aungesiedelt, die die kognitiven, sprich
kopflastigen, Fähigkeiten der Kinder fördern wollen. Abbau von Hauswirtschaft zu Gunsten
von Englisch an der Oberstufe - machbar, auch lösbar ohne grosse Einbussen, passt
irgendwie auch zum Zeitgeist, in dem man vor allem von Begabtenförderung spricht. Im
anderen Lager diejenigen - vielleicht die Ewiggestrigen - die unter Bildung eine
ganzheitliche, abgerundete Bildung verstehen, wo Schwächere wie Stärkere gefördert
werden, wo Platz ist für Kopf, Herz und Hand.
Verständlich, dass Lehrkräfte leer laufen, über "Burn-out-Syndrom" klagen
und Schwierigkeiten bekunden, ihren Platz in einem System zu finden, das zur Zeit im
Umbruch ist. Reformen und Reförmchen (siehe Kästchen) werden in die Vernehmlassung
geschickt, eingeführt oder ganz einfach den Gemeinden zur Abstimmung überlassen. Hin und
Her - immer mit Blick auf Mehrheitsfähigkeit - und schwupp - schon wieder eine neue
Hochglanzbroschüre der Bildungsdirektion auf dem Schreibtisch der SchulpräsidentInnen.
Politisch hochinteressant; die Schule ist ein Dauerbrenner in den Medien.
Schule - Spiegelbild der Gesellschaft
Bei zu langem Hinsehen verzerrt sich das Spiegelbild: Eltern, vor allem Mütter, hasten
zum Einkaufen, Blick auf die Uhr, das Jüngste muss bald zur Schule, die Aelteren kommen
im Stundentakt nach Hause, noch schnell bezahlen, nach Hause, ist alles eingepackt,
Küsschen, Küsschen und tschüs. Schon steht das Nächste da, hungrig, will getröstet
werden, braucht Hilfe, und schon wieder das Nächste ... Echte Blockzeiten, wie sie andere
Länder schon längst kennen, sind noch immer kein ernst zu nehmendes Thema (zu teuer),
die heilige Kuh vom Mittagessen um Zwölf und dem freien Mittwoch Nachmittag wird nicht
geschlachtet, nicht, solange alle brav mitspielen.
Und die Kinder? Wie eh und je marschieren sie mit dem "Thek" am Rücken in
die Schule. Mal fröhlich, mal traurig, für die Einen ist die Schule Lust, für die
Anderen Frust. Sie tragen die Konsequenzen, wenn Lehrerinnen und Lehrer überlastet und
orientierungslos sind ob dem Tempo, in dem die Neuerungen eingeführt werden müssen. Die
Streitereien, sei es um neue Schulaufsicht, das neue Lehrerqualifikationssystem oder um
sonst ein brisantes Thema, kümmern die Kinder nicht. Das Wort "Reformen" ist
noch nicht in ihrem Wortschatz verankert.
Die Verantwortung liegt bei den Erwachsenen. Den Kindern die beste Bildung zu geben,
den Fähigkeiten der Schwachen und Starken, der Kopflastigen und der Handwerker gerecht zu
werden - das muss der Grundgedanke jeder Reform sein und bleiben. Die Zukunft gehört der
Schule - und den Kindern! |