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Letzte Aktualisierung: 09.06.05
   
 

flag.gif (871 bytes) Bildung? Bildung!

Bildung ist bekanntlich der wichtigste Rohstoff, den unser Land zu bieten hat - da sind sich alle Einig. An der Frage, was "Bildung"ist, daran scheiden sich die Geister. Im einen Lager sind diejenigen aungesiedelt, die die kognitiven, sprich kopflastigen, Fähigkeiten der Kinder fördern wollen. Abbau von Hauswirtschaft zu Gunsten von Englisch an der Oberstufe - machbar, auch lösbar ohne grosse Einbussen, passt irgendwie auch zum Zeitgeist, in dem man vor allem von Begabtenförderung spricht. Im anderen Lager diejenigen - vielleicht die Ewiggestrigen - die unter Bildung eine ganzheitliche, abgerundete Bildung verstehen, wo Schwächere wie Stärkere gefördert werden, wo Platz ist für Kopf, Herz und Hand.

Verständlich, dass Lehrkräfte leer laufen, über "Burn-out-Syndrom" klagen und Schwierigkeiten bekunden, ihren Platz in einem System zu finden, das zur Zeit im Umbruch ist. Reformen und Reförmchen (siehe Kästchen) werden in die Vernehmlassung geschickt, eingeführt oder ganz einfach den Gemeinden zur Abstimmung überlassen. Hin und Her - immer mit Blick auf Mehrheitsfähigkeit - und schwupp - schon wieder eine neue Hochglanzbroschüre der Bildungsdirektion auf dem Schreibtisch der SchulpräsidentInnen. Politisch hochinteressant; die Schule ist ein Dauerbrenner in den Medien.

Schule - Spiegelbild der Gesellschaft

Bei zu langem Hinsehen verzerrt sich das Spiegelbild: Eltern, vor allem Mütter, hasten zum Einkaufen, Blick auf die Uhr, das Jüngste muss bald zur Schule, die Aelteren kommen im Stundentakt nach Hause, noch schnell bezahlen, nach Hause, ist alles eingepackt, Küsschen, Küsschen und tschüs. Schon steht das Nächste da, hungrig, will getröstet werden, braucht Hilfe, und schon wieder das Nächste ... Echte Blockzeiten, wie sie andere Länder schon längst kennen, sind noch immer kein ernst zu nehmendes Thema (zu teuer), die heilige Kuh vom Mittagessen um Zwölf und dem freien Mittwoch Nachmittag wird nicht geschlachtet, nicht, solange alle brav mitspielen.

Und die Kinder? Wie eh und je marschieren sie mit dem "Thek" am Rücken in die Schule. Mal fröhlich, mal traurig, für die Einen ist die Schule Lust, für die Anderen Frust. Sie tragen die Konsequenzen, wenn Lehrerinnen und Lehrer überlastet und orientierungslos sind ob dem Tempo, in dem die Neuerungen eingeführt werden müssen. Die Streitereien, sei es um neue Schulaufsicht, das neue Lehrerqualifikationssystem oder um sonst ein brisantes Thema, kümmern die Kinder nicht. Das Wort "Reformen" ist noch nicht in ihrem Wortschatz verankert.

Die Verantwortung liegt bei den Erwachsenen. Den Kindern die beste Bildung zu geben, den Fähigkeiten der Schwachen und Starken, der Kopflastigen und der Handwerker gerecht zu werden - das muss der Grundgedanke jeder Reform sein und bleiben. Die Zukunft gehört der Schule - und den Kindern!

   
Reformen und Schulversuche seit 1995
  • ISF - integrierte Sonderförderung
  • TaV - Teilautonome Volksschulen
  • Oberstufenreform
  • Englisch Obligatorium ab 7. Klasse
  • Schulprojekt 21
  • LQS - Lohnwirksames Qualifikations System
  • Lehrerbildungsgesetz
  • Neue Schulaufsicht
  • 5-Tage-Woche
  

Doris Braun,  erschienen im Radiesli

  
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