Stand-Punkte: Andreas Jenni (37), stud iur /
Primarlehrer, Dachsen Unter dieser Rubrik stellt die SP des Bezirks
Andelfingen den Leserinnen und Lesern der Andelfinger Zeitung jene vier Persönlichkeiten
vor, welche auf der Liste 2 für den Kantonsrat kandidieren.
Welches ist Ihr wichtigstes politisches Anliegen?
In der Politik werden die Spielregeln für das Zusammenleben in der Gemeinschaft
ausgehandelt. Dabei muss verhindert werden, dass sich rücksichtslose Mitspieler
durchsetzen können, die nur ihren eigenen Interessen nachgehen. Ich setze mich dafür
ein, dass auch diejenigen eine Chance erhalten, die sich weniger gut wehren können.
Für welche Forderung aus dem Weinland möchten Sie sich im Kantonsrat besonders
einsetzen?
Das Weinland ist eine Randregion mit wenigen Einwohnern. Trotzdem haben wir einiges zu
bieten: eine intakte Landschaft, umfangreiche Grundwasserreserven, wertvolle
Baudenkmäler. Diese Trümpfe dürfen wir mit dem Bau von Autobahnen und einem
Atomendlager nicht aus der Hand geben und dem kurzfristigen wirtschaftlichen Profit
opfern. Nach der Devise, dass Wohn- und Arbeitsort nahe beieinander liegen sollten, werde
ich mich auch dafür einsetzen, das Weinland für Betriebe mit qualitativ guten
Arbeitsplätzen attraktiv zu machen. Dank modernen Kommunikationsmitteln sollte die
periphere Lage unseres Bezirkes kein Nachteil sein.
Was hat Sie in den letzten Tagen besonders gefreut?
Ganz toll finde ich die Weltumrundung von Piccard und Jones. Ich bewundere die
Menschen, die eine sichere Position aufgeben, um eine Vision zu verwirklichen.
Es gibt aber auch politisch erfreuliches: Endlich hat das eidgenössische
Finanzdepartement gemerkt, dass die ungleiche Besteuerung von Verheirateten und Ledigen
ungerecht ist. Die Vorschläge aus Bern tönen vielversprechend. Für einmal kann ich
vielleicht auch persönlich von einer Steuerreform profitieren, da ich seit zwei Monaten
verheiratet bin.
Worüber haben Sie sich in den letzten Tagen besonders geärgert?
Leider verweigern die bürgerlichen Parteien im Bezirk Andelfingen, allen voran die
SVP, jegliche Bereitschaft für gemeinsame politische Wahlveranstaltungen. Dieses sture
Blockdenken ärgert mich, denn tragfähige und gute Lösungen sind in der Regel das
Resultat einer breiten politischen Diskussion. Es darf nicht sein, dass diese
Gesprächsverweigerungs-Unkultur Schule macht.
Befürworten Sie eine vierspurige A4 durch das Weinland?
Früher waren gute Strassenverbindungen ein Garant für die wirtschaftliche Entwicklung
einer Region. Heute haben andere Werte an Bedeutung gewonnen. Auch wenn das Waldsterben
aus den Schlagzeilen verschwunden ist, bleiben Umweltbelastung durch Lärm und Schadstoffe
ein Dauerproblem. Es ist für mich unverständlich, wie im Ernst eine vierspurige A4
durchs Weinland verlangt wird, solange der Tunnel in Schaffhausen zweispurig ist. Die
Staus vor dem Loch wären so sicher wie das Amen in der Kirche. Eine Mengenausweitung bei
Verkehrsvorhaben darf nur bei den umweltschonenden Transportarten in Betracht gezogen
werden.
Wäre für Sie die Einführung des Halbstundentaktes auf der SBB-Strecke
Winterthur-Schaffhausen ein Luxus?
Bahnen sind umweltverträglich. Es ist jedoch nicht einfach, die logistischen Probleme
im Raum Winterthur zu lösen, die der Halbstundentakt im Weinland mit sich bringen würde.
Wenn dadurch jedoch eine Verkehrszunahme auf der A4 verhindert werden kann, dann muss
alles unternommen werden, um diese Kapazitätssteigerung der Bahn herbeizuführen. Denkbar
ist eine Kreuzungsstrecke im Raum Hettlingen, wie dies in Marthalen bereits der Fall ist.
Wie stellen Sie sich zum Bau eines Atom-Endlagers im Weinland?
Ich reagiere mit einem starken Abwehrreflex, wenn vom Endlager die Rede ist. Ich kann
mir nicht vorstellen, dass die dünne Tonschicht bei Benken über Jahrtausende Garantie
für die sichere Aufnahme von radioaktiven Abfallstoffen bietet. Und nur das ist
entscheidend.
Nennen Sie uns bitte ihr liebstes Hobby.
Ich bin ein neugieriger Mensch. Deshalb habe ich meinen Beruf als Primarlehrer
aufgegeben und ein Studium begonnen. Die Ausbildung zum Juristen an der Uni Zürich ist
zugleich Herausforderung und Hobby. Wenn ich endgültig genug von Büchern habe
verschwinde ich in die Berge zum Wandern oder Faulenzen.
Welche drei Dinge würden Sie auf eine einsame Insel mitnehmen?
Wenn ich davon ausgehen darf, dass meine primären Bedürfnisse wie Nahrung und
Kleidung befriedigt sind, dann gehören eine Schneeschaufel (nach diesem Winter kann man
nie wissen), ein Kreuzworträtsel der NZZ (damit bin ich ewig beschäftigt) und eine
Hanfpflanze zu meiner Ausrüstung. Das Pflänzchen garantiert mir nämlich, dass mich die
Polizei auch im entlegensten Winkel findet und mich wieder in die Schweiz zurück bringt.
Worauf möchten Sie auf keinen Fall verzichten?
Eine gute Gesundheit und eine positive Lebenseinstellung dünkt mich Voraussetzung, um
Rückschläge und Verluste, die auch zum Leben gehören, gut verarbeiten zu können.
Was tun Sie als erstes, wenn Sie am 18. April gewählt werden?
Ich gebe meiner Frau einen langen und festen Kuss. Das hat aber eigentlich gar nichts
mit dem Wahltermin zu tun... |