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Letzte Aktualisierung: 09.06.05
   
flag.gif (871 bytes) SVP beschliesst Ausarbeitung einer Initiative für Schulklassen für deutschsprachige Kinder

Auf den ersten Blick ist die Argumentation der SVP einleuchten. Die Schwierigkeiten sind grösser geworden, der Ausländeranteil in manchen Klassen sehr hoch, nicht immer ist es für die Lehrkräfte einfach, das Lernziel zu erreichen.
Das aber nur auf den ersten Blick. Versucht man den Blick auf die Zukunft zu richten, sieht es doch ein bisschen ander aus. Integration heisst mehr, als nur schulisches Wissen vermitteln. Es heisst auch, den Alltag kennen lernen, die ungeschriebenen Gesetze zu verstehen. Ein simples Beispiel: Ein Jugendlicher begrüsst alle, ob erwachsen oder Kind, mit "Hoi", so wie er es von allen seinen Alterskollegen hört. Das wirkt anstössig. Sind die Kinder in einer rein fremdsprachigen Klasse, fehlt ihnen die Vorbildwirkung von gleichaltrigen oder älteren Kindern, die in der Schweiz aufgewachsen sind und diese sehr wichtigen Zwischentöne im Umgang miteinander beherrsche. Von ihnen hören und lernen sie z.B., dass Erwachsene mit "Grüezi" angesprochen werden und nicht geduzt werden dürfen.
Würde man die fremdsprachigen Kinder in Schulen für Fremsprachige unterrichten, wirkten sich solche Feinheiten während der Schulzeit noch nicht negativ aus, die Kinder und Jugendlichen bewegen sich in einem mehr oder weniger geschützten Raum. Anders, wenn sie in die Arbeitswelt eintreten, hier wird erwartet, dass sie die Regeln des Zusammenlebens beherrschen.
Die ungeschriebenen Gesetze lernt man nur, wenn man dem Alltag des Gastlandes ausgesetzt ist. Sie werden erlernt durch nachahmen, zuhören und zusehen. Soziale Kompetenz erlangen Kinder im Umgan mit Kindern. Lehrkräften ist die Aufgabe zugeteilt, die Kinder zu führen und zu leiten. Die Vorbildwirkung von Erwachsenen ist in diesem Bereich zu klein - Kinder lernen von Kindern.
Es liegt auf der Hand: wenn diese ganz wichtige Integrationsarbeit nicht im Kindesalter geleistet wird, verschiebt sich das Problem auf später. Nicht die Schulen werden damit belastet sein, dafür andere soziale Institutionen, ob das besser und auch billiger wäre, ist nicht vorstellbar. Die Initiative der SVP hat eine Haken: Zu lesen ist nur von der Schaffung von Schulklassen für deutschsprachige Schüler. Ein Konzept, wie die Fremdsprachigen unterrichtet und integriert werden sollten scheint nicht zu existieren.
Das Zusammenleben verschiedener Mentalitäten ist schwierig, aber auch bereichernd, nicht immer ist der einfachste Weg der Beste. Wer weiss, wenn wir diesen unglückseligen Weg des geringsten Widerstandes weiter gehen, sind die öffentlichen Verkehrsmittel bald einmal wie folgt beschriftet: Nur für Schweizer!
 

Leserbrief von Doris Braun in der Andelfinger Zeitung vom 15.3.99

  
     
  
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