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Aktualisierung: 09.06.05 |
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SVP beschliesst Ausarbeitung einer Initiative für Schulklassen
für deutschsprachige Kinder
Auf den ersten Blick ist die Argumentation der SVP einleuchten. Die Schwierigkeiten sind
grösser geworden, der Ausländeranteil in manchen Klassen sehr hoch, nicht immer ist es
für die Lehrkräfte einfach, das Lernziel zu erreichen.
Das aber nur auf den ersten Blick. Versucht man den Blick auf die Zukunft zu richten,
sieht es doch ein bisschen ander aus. Integration heisst mehr, als nur schulisches Wissen
vermitteln. Es heisst auch, den Alltag kennen lernen, die ungeschriebenen Gesetze zu
verstehen. Ein simples Beispiel: Ein Jugendlicher begrüsst alle, ob erwachsen oder Kind,
mit "Hoi", so wie er es von allen seinen Alterskollegen hört. Das wirkt
anstössig. Sind die Kinder in einer rein fremdsprachigen Klasse, fehlt ihnen die
Vorbildwirkung von gleichaltrigen oder älteren Kindern, die in der Schweiz aufgewachsen
sind und diese sehr wichtigen Zwischentöne im Umgang miteinander beherrsche. Von ihnen
hören und lernen sie z.B., dass Erwachsene mit "Grüezi" angesprochen werden
und nicht geduzt werden dürfen.
Würde man die fremdsprachigen Kinder in Schulen für Fremsprachige unterrichten, wirkten
sich solche Feinheiten während der Schulzeit noch nicht negativ aus, die Kinder und
Jugendlichen bewegen sich in einem mehr oder weniger geschützten Raum. Anders, wenn sie
in die Arbeitswelt eintreten, hier wird erwartet, dass sie die Regeln des Zusammenlebens
beherrschen.
Die ungeschriebenen Gesetze lernt man nur, wenn man dem Alltag des Gastlandes ausgesetzt
ist. Sie werden erlernt durch nachahmen, zuhören und zusehen. Soziale Kompetenz erlangen
Kinder im Umgan mit Kindern. Lehrkräften ist die Aufgabe zugeteilt, die Kinder zu führen
und zu leiten. Die Vorbildwirkung von Erwachsenen ist in diesem Bereich zu klein - Kinder
lernen von Kindern.
Es liegt auf der Hand: wenn diese ganz wichtige Integrationsarbeit nicht im Kindesalter
geleistet wird, verschiebt sich das Problem auf später. Nicht die Schulen werden damit
belastet sein, dafür andere soziale Institutionen, ob das besser und auch billiger wäre,
ist nicht vorstellbar. Die Initiative der SVP hat eine Haken: Zu lesen ist nur von der
Schaffung von Schulklassen für deutschsprachige Schüler. Ein Konzept, wie die
Fremdsprachigen unterrichtet und integriert werden sollten scheint nicht zu existieren.
Das Zusammenleben verschiedener Mentalitäten ist schwierig, aber auch bereichernd, nicht
immer ist der einfachste Weg der Beste. Wer weiss, wenn wir diesen unglückseligen Weg des
geringsten Widerstandes weiter gehen, sind die öffentlichen Verkehrsmittel bald einmal
wie folgt beschriftet: Nur für Schweizer! |
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Leserbrief von Doris Braun in der Andelfinger Zeitung vom
15.3.99 |
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